Donnerstag, 21. August 2014

-8- Fantastische Gitterstäbe

D. Sharon Pruitt, Beach Reflection in Blue, Quelle: piqs.de


Es gibt Momente, in denen schreibt man. Und es gibt Momente, in denen lebt man das, was man schreibt. Dieser Roman, der bald in die Welt gelassen wird, hat mich mit jeder geschrieben Zeile immer weiter von der Realität entfernt. 
Wenn ich mit dem Schreiben aufhören musste, weil das Leben noch aus gewissen anderen Dingen besteht, fühlte ich mich unruhig, irgendwie einsam, so als würde ein Teil von mir abwesend sein. Es war ein ähnliches Gefühl wie Liebeskummer. Man weiß, dass das, was man haben will, irgendwo ist, man kann aber gerade nicht darauf zugreifen. 
Meine Charaktere in dieser Geschichte sind für mich so echt, dass ich mich nicht bloß bei ihnen zuhause fühle, sondern eher so, als würde mich eine übernatürliche Kraft mit dem Lesen der von mir geschriebenen Worte einsaugen. Ich habe keine Chance mehr zu entkommen. 
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes für mich und seitdem es fertiggeschrieben ist, habe ich zu keinem anderen Manuskript mehr Zugang gefunden, obwohl ich so einige Handlungen auf meinem Computer herumfliegen habe. Nichts erscheint mir richtig, nichts erscheint mir gut genug. Ich will einfach immer wieder zurück. Zurück zu diesem einen Buch. 
Wie wird es weitergehen, wenn ich die letzte Überarbeitung abschließe? Wie wird es sich anfühlen, meine Charaktere - meine Freunde - zurücklassen muss, um die Geschichten der anderen Bewohner meiner Insel niederzuschreiben. 
Es wird ein Abschied, der ähnlich schwer für mich sein wird, wie der von meinem Erstlingswerk 'Melancholie', das bald beim Traumstunden Verlag ins Lektorat gehen soll. 
Es ist immer wieder faszinierend, wie man sich an etwas klammern kann, das es gar nicht wirklich gibt. Spannend zu sehen, wie intensiv die menschliche Fantasie ist, wie ausgebreitet, wie mächtig sie ist.
Erschreckend, was sie anstellen kann und wie unfassbar schön, dass es sie gibt. 




Sarah Jordan







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