Montag, 4. August 2014

-6- Bittersüßer Tod


Des Todes bittersüßes Lächeln, eine umhüllende Symphonie. Wir hören alle den Klang von Zeit zu Zeit, sein Singen, sein Flüstern, welches uns auf Abwege führt. Einfach mal faul sein, einfach mal nichts tun - wie verführerisch das klingt. Doch sieht der Wenigste nur im Spiegel, dass der Tod ihm dabei den Kopf streichelt. Nichts tun heißt Stillstand und Stillstand heißt sterben. Der Tod ist immer in der Nähe und summt seine Melodie, die in unseren Köpfen so betörend klingt. 
Einfach vergessen, einfach nicht nachdenken, wie leicht es klingt und manchmal auch ist - doch die Folgen bedenkt man nicht. Vergessen heißt sein Leben leugnen, vergessen heißt sterben. Stück für Stück, von Zeit zu Zeit. Wir wollen vergessen, aber sterben wollen wir nicht.
Wie nah diese Dinge beieinander liegen, wie nah des Todes weiche Finger sind, wie sie uns streicheln Nacht für Nacht, Morgen für Morgen und Tag für Tag. 
Wir greifen immer wieder nach seinen Fingern, doch packt er uns nicht bei der Hand. Rechtzeitig werden wir wach und tun etwas - wir denken, wir arbeiten, wir leben. Doch je öfter wir der süßen Stimme folgen, desto näher kommen wir seiner Gestalt. Leben wir, so viel wir können. Denken wir, so oft wir Zeit finden und tun wir etwas, solange uns Zeit bleibt. Der Tod ist immer da, immer in der Nähe. Er beobachtet einen jeden von uns. Und er ist bereit zuzupacken. 



Sarah Jordan



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